Biotoppflege und Vogelschutz in Kürnach, Landkreis Würzburg

 

Biotoppflege und Vogelschutz in Kürnach, Landkreis Würzburg

 

Ein Bericht von Dominik Frickel

Am 20.01.2014 haben mein Kommilitone Fabian Gauch und meine Wenigkeit Dominik Frickel eine Biotoppflegemaßnahme zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. durchgeführt. Dabei wurden im Rahmen des örtlichen Gewässerschutzes Unmengen von Plastikmüll und anderen Treibgutes aus der Kürnach gefischt. Während ich mit Gummistiefeln das Gewässer gereinigt habe, hat sich Fabian vorwiegend um den Müll im Uferbereich gekümmert.

Unverständlich wie derartige Unmengen von Plastikmüll nicht nur die Wasserqualität, sondern auch den Naherholungsbereich Kürnachtal verschandeln können. Nach eigener Erfahrung sind Wanderungen in diesem Schutzgebiet wenig erholsam und entschleunigend bei anhaltender Verschmutzung. Eisvogel, Gebirgsstelze und Graureiher sind auf eine saubere Wasserqualität angewiesen und damit Zeigerarten für eine hohe Wassergüte. Bei anhaltender Belastung des Gewässers kann sich dies allerdings schnell ändern, da sich die chemischen Substanzen des Mülls allmählich im Wasser lösen und somit zu einem Fischsterben führen können. Fische sind aber die Nahrungsgrundlage für die Familie der Eisvögel und Reiher.

In diesem Zusammenhang ist zu erfragen, in wessen Zuständigkeitsbereich der Erhalt des Kürnachtals fällt. Sind für saubere Gewässer ausschließlich ehrenamtliches Engagement verantwortlich oder sind die zuständigen Behörden zu überlastet, um den Status eines geschützten Landschaftsbestandteils aufrecht zu halten. Letztlich darf man sich einerseits nicht über die Vermüllung der Weltmeere beschweren, aber die Belastung der Binnengewässer außen vor lassen. Denn jedes Rinnsal, sei es auch noch so klein, könnte einmal ins Meer fließen und damit den Müll in die Weltmeere transferieren. Dies haben sogar eine Gruppe Jugendlicher verstanden, nachdem ich sie darauf angesprochen habe, ob sie denn wüssten, wer dieses „Umweltchaos“ hinterlassen hat.

Weitere Analysen in enger Zusammenarbeit mit Aquaristik und Terraristik Rößer, Zellerau, haben gezeigt, dass die Wasserqualität immer mehr nachlässt. Nach mehrmaligen Spaziergängen mit meinem  Nachbarn Rudi Loipersberger entlang des natürlichen Verlaufs der Kürnach in Richtung Estenfeld, Weiße Mühle, wurden an zwei Stellen pH-Werte von größer als 9,0 mittels Indikatorstreifen ermittelt. Dies weißt stark auf basisch-laugisches Milieu hin. Elektrisch-digitale Analysen mit hochwertigem Forschungsequipment werden folgen. Es ist davon auszugehen, dass Waschmittel oder ähnliche Tenside ins Gewässer eingeleitet wurden. Auch eine Schaum- und Blasenbildung in einer derartigen Menge ist wohl kaum auf natürliche Stoffwechselvorgänge von Kieselalgen zurückzuführen. Zudem stellt sich auch die Frage, ob ein toter adulter Grünspecht Picus viridis, welchen ich eigenhändig aus dem Gewässer gezogen habe, lediglich an Altersschwäche oder womöglich durch Aufnahme des verseuchten Wasser verendet ist. Nähere Analysen stehen allerdings noch aus. Des Weiteren wurden an mehreren Stellen eine hohe Nitrat- und Nitritbelastung festgestellt, was zwangsläufig auf Düngemitteleinträge der dortig ansässigen Landwirtschaftsbetriebe zurückzuführen ist. Da immer mehr Subventionen für regionalen Demeter-Bioanbau gestrichen werden, ist es den regionalen Landwirten nicht mehr möglich ihre Äcker ökologisch zu bewirtschaften.

Meine Frage deshalb an die zuständigen Behörden, wie kann es möglich sein, eine Beschilderung anzubringen, die deutlich die Eltern darauf hinweist, ihre Kinder in den umliegenden Gewässern plantschen zu lassen. Stellen Sie sich mal vor ein Kleinkind schluckt Wasser mit einem pH-Wert von über 9,0. Wenn schon Hunde, die das Wasser getrunken haben, wochenlang mit Antibiotika behandelt werden mussten, stellt sich mir die Frage wie der Magen-Darmtrakt von Kleinkinder auf so eine Belastung reagiert.

Das schlimme ist auch, dass wenige Passanten gar nicht wissen, dass ein wunderschöner Vogel wie Alcedo atthis (europäischer Eisvogel) direkt vor ihrer Haustüre zu beobachten ist. Deshalb meine Bitte, nehmen Sie an örtlichen LBV-Aktionen wie Monitoring und Bestandserhebung wie im Rahmen der Stunde der Winter- oder Gartenvögel aktiv teil und helfen Sie dem LBV einen aussagekräftigen Zensus zu gewährleisten, gemäß dem Motto: act local, think global! Oder noch besser werden Sie Mitglied und unterstützen Sie auch finanziell unsere so wertvolle Arbeit, dass auch in Zukunft die Artenvielfalt unseres einzigartigen Planeten erhalten bleibt. Augen auf, nicht wegschauen. Handeln ist die Devise!

DCF

Dominik Christopher Frickel

Tier- und Tropenökologie, Fachgebiet Ornithologie

Landesbund für Vogelschutz

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