Erdbotschafter sein - auf Schloss Tornow entsteht ein Garten Eden

 

Erdbotschafter sein - auf Schloss Tornow entsteht ein Garten Eden

„Komm, ins Offene Freund“ (Hölderlin) – und so manchem vom öden Winter gezeichneten Berliner, der sich tagtäglich dem Tumult der Großstadt ausgesetzt sieht, schlägt das Herz mit diesen Zeilen ein wenig höher. Das Berliner Umland bietet viele Gelegenheiten, um diesen inneren Wunsch nach naturnahem Leben einzulösen und den Gang aufs Land wagen – wenn auch zunächst noch pendelnd und noch nicht aufs Ganze gehend. Wir werden in den kommenden Ausgaben der SEIN von solchen Orten berichten, unseren Lesern Erdbotschaften an der Peripherie der Hauptstadt vorstellen.

Schloss Tornow

Pünktlich zum Frühlingsanfang haben wir uns mit einem Dutzend Menschen zu einem Gang aufs Land zusammengefunden, um gemeinsam einen Garten Eden zu gründen. Die Wahl fiel auf Schloss Tornow in der Nähe von Gransee, 70 km nördlich von Berlin und Sitz des Ökowerks Brandenburg.

Das imposante schlossähnliche Gutshaus aus dem Ende des 19. Jahrhunderts bietet heute Raum für Seminare und Wildnis-Coaching und dient unserem Projekt als Standort und Erdbotschaft für den großen Landkreis Oberhavel. Neben dem Schlossgeländes gibt es zusätzlich eine Farm, wo Jugendgruppen mit Permakultur und nachhaltiger Landwirtschaft vertraut gemacht werden. Die urwüchsige Fließlandschaft an der Oberhavel beherbergt Biber und seltene Vogelarten.

Lothar Semsch, der langjährige Vereinsvorstand, stellte uns am Eingangsbereich zwischen Schloss und historischer Dorfkirche ein Areal zur freien Gartengestaltung zur Verfügung. Das freigelegte Gelände wurde von uns ausgemessen, und schon bald war die Struktur für einen kosmischen Garten in Form eines Oktogons gelegt. Oktogonale Gestaltungselemente spiegeln sich auch in der sakralen Backsteingotik der Schlossfassade und geben der heiligen Geometrie ihre historische Tiefe. Ein Chronotopos bildet sich im Oktogon ab, ein raumzeitliches Gebilde, denn die achteckige Form des Gartens erinnert einerseits an die Jahreszeiten und andererseits an die acht keltischen Jahresfeste. Im Zentrum des Gartens ist eine mit bunten Symbolen gestaltete Pappelstange aufgestellt, die die Verbindung von Erde und Himmel darstellt und auch als Sonnenuhr dient.


Garten Eden

Unser Garten Eden wurde – den Grundsätzen der Permakultur gemäß – aus vorgefundenen Naturmaterialien gestaltet: Weide für den Zaun, Granitsteine für die Beeteinfassung und Stroh für das achteckige Wegesystem. Im Zentrum des Gartens wurde eine mit Granitsteinen bestückte Erdpyramide mit Kräutern bepflanzt, aus der die Pappelstange als Sonnenuhr hervorragt. Bepflanzt wurden die acht Beetsegmente mit jeweils acht verschiedenen biologischen Gemüsesorten, so dass sich ein schön strukturiertes Gebilde ergibt. Die heilige Geometrie befördert auch das Wachstum der Pflanzen, denn das Oktogon bedeutet „Aufbruch zur Ganzheit“ und nähert sich in seiner Form dem Kreis und somit der Vollkommenheit an.

Unsere Gruppe hat den Aufenthalt auf Schloss Tornow sehr genossen, und als Gegenleistung für unseren ehrenamtlich erstellten Garten Eden waren Kost und Logis für uns frei und wir ließen den Tag an einer reich gedeckten Tafel ausklingen.
Unser Garten Eden steht nun der Bevölkerung Tornows sowie den Gästen des Schlosses zur freien Nutzung zur Verfügung – ob als Ort der Stille und Besinnung oder auch als Nutzgarten im Sinne des „social gardenings“.

Zusätzlich installieren wir auf Schloss Tornow unsere Landdkreisredaktion Oberhavel im Rahmen unseres Netzwerks „Nachhaltig Sein“, das derzeit im ganzen deutschen Sprachraum entsteht und als Schaltstelle für nachhaltige regionale Vernetzung dient. Wir fördern die regionale Kultur und unterstützen und präsentieren regionale Veranstaltungen und Tauschmärkte, die sich um ein nachhaltiges und naturnahe Lebenskultur bemühen.
Ab Sommer 2014 bieten wir auf Schloss Tornow und auch an anderen Orten unser nachhaltiges und zertifiziertes Schulungsprogramm „Erdbotschafter sein“ -an, das auf der Erdcharta der Vereinten Nationen basiert. Diese Absichtserklärung wurde im Jahr 2000 von über 200 Staaten der Welt unterzeichnet und verfolgt vier globale Ziele: Ökologische Ganzheit, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden.
Die Gründung eines für die Allgemeinheit zugänglichen Garten Edens ist als ein Akupunkturpunkt zur Heilung der Erde zu sehen und gibt der Erdcharta ein regional erfahrbares Gesicht.

 

 

www.nachhaltig-sein.net
www.erdbotschafter.net

www.schloss-tornow.de

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